Tradition heißt nicht, Asche aufzubewahren, sondern die Flamme am Brennen zu halten.
Tradition heißt nicht, Asche aufzubewahren, sondern die Flamme am Brennen zu halten.

Andreas-Hofer-Gedenkfeier in Mantua

BOZEN/MANTUA – Seit fast 40 Jahren wird alljährlich in Mantua des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer durch den Südtiroler Schützenbund in Zusammenarbeit mit den Behörden von Mantua gedacht. In Zeiten großer Krise und Not haben die Tiroler aber immer zusammengehalten, und trotz Pandemie eine würdiges Gedenken organisiert. Am heutigen Samstag, den 20. Februar 2021 wurde ein Video vom Schützenbezirk Bozen erstellt und veröffentlicht.

Das Video wurde in Zusammenarbeit mit den Vertretern in Mantua, den Tiroler Schützenbünden und der Europaregion Tirol in Innsbruck, Mantua, Meran, Ala, Terlan und Gries gedreht. Nach den Grußworten und Kranzniederlegungen in Mantua und Tirol hielt heuer Frau Monika Thurner Franzelin, Krankenpflegerin und stellvertretende Pflegedienstleiterin die Gedenkrede.

In allen Landesteilen Tirols finden in diesen Tagen Andreas-Hofer-Gedenkfeiern statt. Vielfach nicht in gewohnter Manier, da die derzeitigen Umstände ein Ausrücken nicht zulassen. Auch außerhalb Tirols wird in diesen Tagen unserem Tiroler Volkshelden Andreas Hofers gedacht, etwa in Verona, Vicenza, Treviso und Venedig.

Wie uns die Geschichte gelehrt hat, gibt es in jeder Krise nicht nur Gefahren und Leid, sondern auch viele neue Chancen und Möglichkeiten. In der Krise kann unser Land noch mehr zusammenwachsen und alte Grenzen überwinden. Es lebe Tirol!

Gedenkrede

von Monika Thurner Franzelin

 

Liebe Landsleute!

Als man auf mich zukam und mich fragte, ob ich die heurige Andreas Hofer Gedenkrede halten würde, habe ich geantwortet: was kann ich schon Großes sagen? Aber je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr Begriffe fand ich, die für Hofer und seine Zeit stehen, und im vergangenem Jahr mit den Gesundheitsberufen in Verbindung gebracht wurden.

Als Krankenpflegerin in einem Seniorenwohnheim habe ich diese schlimme Pandemie und vor allem die erste Infektionswelle sehr intensiv miterlebt. Kranke und sterbende Heimbewohner, viele krankheitsbedingte Arbeitsausfälle, verzweifelte Angehörige.
Der gesamte Tagesablauf musste komplett neu organisiert werden. Und jetzt, 1 Jahr später, führen wir noch immer ein Leben mit vielen Einschränkungen und Entbehrungen.

Was hat das alles mit Andreas Hofer zu tun?, werden Sie sich fragen:
Wie A. Hofer kämpfen wir gegen dieses Virus und für unsere traditionelle Lebensweise.
Wie A. Hofer bemühen wir uns um Schutz und Zusammenhalt. Schutz unseres Landes, unserer Mitmenschen, unserer älteren Generation, unserer Familien und letztlich auch unserer eigenen Person.
Das Ärzte- und Pflegepersonal ist in Zeiten wie diesen besonders gefordert: Wie spricht man mit älteren Menschen, die schlecht hören und unseren Mund unter der Maske nicht sehen können?
Wie erklärt man Demenzkranken, dass sie Abstände einhalten sollen? Dass, sie ihre Angehörigen nur durch eine Glasscheibe sehen und hören können?
Ganz zu schweigen von den Situationen in den Covidabteilungen und Intensivstationen unseres Landes, wo immer noch viele Menschen um ihr Leben kämpfen.
Wir kämpfen gegen diese Pandemie, die uns immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Jetzt ist Einigkeit und Zusammenhalt gefragt. Einigkeit und Zusammenhalt, wie es auch Andreas Hofer verlangte!

Dieses neue Virus, seine Varianten und die ganze Flut an täglichen, ähnlichen  Nachrichten und Zahlen jagen uns allen Angst ein: Angst vor der Zukunft, existentielle Ängste, Angst vor den wirtschaftlichen Folgen, Angst um unsere Gesundheit. Doch Angst, glaubt mir, ist ein schlechter Begleiter. Das können sicher auch alle Ärzte, alle Kolleginnen und Kollegen, Rettungssanitäter und andere Mitarbeiter, die im medizinischen Bereich tätig sind, bestätigen. Vielmehr braucht es Mut! Mut etwas Durchzustehen, Auszuhalten, vielleicht auch etwas Neues zu wagen. Mut,
auch dafür steht ein Andreas Hofer!

Und mutig war er allemal, als er zum Aufstand gegen die französischen und bayerischen Truppen aufrief. Er hat gezeigt, dass man miteinander viel erreichen kann.
Hofer war sehr traditionsbewusst und heimatverbunden, in seinen Ansichten jedoch wenig fortschrittlich – was zur damaligen Zeit auch verständlich war!  Er ließ z.B. bayernfreundliche Universitätsprofessoren verhaften und wollte die Pockenimpfung abschaffen.
Schon um 1800 gab es die ersten Pockenimpfungen in Tirol und am 27. August 1807 führte Bayern als erstes Land der Welt die Pockenimpfung ein. Somit galt die Impfpflicht auch für die „bayrischen Untertanen“ in Tirol, ob sie wollten oder nicht. Damals starb in Tirol noch fast jedes dritte Kind an einer Infektionskrankheit, vor allem an Pocken. Bis diese Krankheit endgültig besiegt war, sollten noch viele Jahre vergehen. Erst 1980 – also vor 40 Jahren (!) – erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Welt für pockenfrei.

Wir sehen also, dass die Welt zu Hofers Zeiten, mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, wie wir heute und man möchte doch meinen, dass wir mit den heutigen Methoden, mit unserem heutigen Fortschritt in so vielen Bereichen, den Menschen von damals weit voraus sind. Medizinisch sind wir sicher voraus und wir können heute viel mehr Leben retten, aber Pandemien mit all ihren Konsequenzen wird die Menschheit immer wieder erleben.

Andreas Hofer – zuerst auf der Flucht und dann in Gefangenschaft.
Eingesperrt sein also:
Dieses Gefühl kennen seit einem Jahr auch viele Bewohner in unseren Seniorenwohnheimen. Die meisten vermissen es, ihre Angehörigen an den Händen zu halten, auch mal rauszukommen, einen Spaziergang und an Ratscher im Dorf zu machen oder einen Kaffee im Gasthaus zu trinken. Vor allem aber wieder ganze Gesichter zu sehen – nicht nur Augen!
Wir Pflegerinnen und Pfleger versuchen unser Bestes ihnen ein heimeliges Gefühl zu vermitteln, ihnen Familie zu sein. Und viele Außenstehende wollten in diesem besonderen Jahr mithelfen: viele Vereine und Unternehmen boten unentgeltlich ihre Hilfe an.  Wenn man sieht, wie viele Freiwillige bei den Massentests und letztlich auch bei den Impftagen in den einzelnen Gemeinden mitgewirkt haben, erkennt man deutlich, dass diese Freiwilligen ein gemeinsames Ziel haben: Diese Pandemie so schnell wie möglich zu beenden. Und genau das, wollen alle Menschen auf der Welt. Da sind wir uns alle einig, ganz gleich wie jeder zu Corona steht: Alle wollen wieder Normalität und Kontinuität und das so schnell wie möglich – das will die Politik, die Wirtschaft, der Handel, der Tourismus, das Gesundheitssystem, die Kultur, das Bildungssystem, die Familien, – jeder einzelne von uns.

Die Herausforderung der Zukunft wird sein, trotz der Pandemie und mit der Pandemie das Leben wieder hochzufahren und lebenswert zu machen. Das kann nur gelingen, indem jeder einzelne Verantwortung übernimmt und seinen Teil dazu beiträgt.
Ich wünsche uns allen, dass wir bald wieder ein Lächeln in unseren Gesichtern sehen können und wir uns wieder mit einem festen Händedruck begrüßen können. Dass wir unsere Freiheit zurückbekommen, wie es auch der Freiheitskämpfer Andreas Hofer für Tirol und seine Menschen wollte!

Ich danke für die Aufmerksamkeit – und bleibt gesund!

Grußworte in Bild und Text